Verdi forderte in der ersten Runde der Tarifverhandlungen am heutigen Dienstag in Düsseldorf unter anderem eine pauschale Erhöhung von 500 Euro für alle Vollzeitkräfte sowie eine entsprechende Erhöhung für Teilzeitkräfte und drei zusätzliche Urlaubstage nur für Gewerkschaftsmitglieder.
„Das können wir nicht ernst nehmen“, sagte Gero Kettler, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes AWO Deutschland. Im Durchschnitt würde das einer Lohnsteigerung von rund 13 Prozent entsprechen, so Kettler. „Jedem ist klar, dass das nicht realistisch ist.“ Er forderte Verdi auf, sich auf die Verantwortung für die Mitarbeiterschaft zu besinnen, und ernst gemeinte Forderungen zu unterbreiten, die eine konstruktive Basis für die zweite Tarifrunde am 10. Februar biete.
Gero Kettler weiter: „Wir erleben momentan massive Verschiebungen zwischen den Sozialhaushalten des Bundes und der Länder. Damit wird der finanzielle Spielraum für alle Träger von sozialer Arbeit enger. Dies muss auch in Tarifverhandlungen Berücksichtigung finden. In dieser Situation brauchen wir Ernsthaftigkeit unseres Verhandlungspartners, um einen fairen und finanzierbaren Abschluss zu erzielen.“
Die Arbeitgeber legten in der heutigen Verhandlungsrunde kein Angebot vor, weil Verdi mit ihren Forderungen bereits im Vorfeld Unverständnis ausgelöst hatte. „Wir haben in der Vergangenheit immer gute Abschlüsse für die rund 50.000 Beschäftigten in NRW verhandelt“, so Kettler. Die „Lücke“ zum Öffentlichen Dienst zu schließen, sei immer eine zentrale Verdi-Forderung gewesen, der man in den vergangenen Jahren nachgekommen sei.
Bundesweit verhandelt Verdi übrigens zurzeit auch mit anderen Tarifparteien und gibt sich dort bodenständiger. Dass nun ausgerechnet die Tarifrunde mit der AWO NRW mit einer absurden 500-Euro-Pauschale torpediert wird, sorgte auf Arbeitgeberseite für Kopfschütteln. Uwe Hildebrandt, Geschäftsführer der AWO NRW, nannte die Forderung einen „PR-Gag“ für die Mitgliederwerbung der Gewerkschaft.
„Nach der guten Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren gehen wir davon aus, dass wir im Februar neue Forderungen erhalten und über realistische Zahlen verhandeln“, so Kettler abschließend.