Dabei hob Schmeltzer die Bedeutung der Freien Wohlfahrtspflege für das Land und für das soziale Miteinander hervor: „Der Mensch und seine Würde stehen für Sie an erster Stelle. Sie sehen die Menschen, Sie nehmen sie ernst und sind die starke Stimme derer, die am Rande stehen“, so Schmeltzer. Die Freie Wohlfahrt unterstütze Menschen in allen Lebenslagen. „Das sind große Aufgaben und keine leichten Bedingungen.“ Daher wünschte er Kirsten Schwenke, Vorstand Diakonisches Werk Rheinland-Westfalen Lippe – Diakonie RWL, als neue Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen (LAG FW NRW) „viel Erfolg und Weitsicht in allen Belangen“. Schmeltzer machte deutlich, dass der Austausch mit den Vertreter*innen der Freien Wohlfahrtspflege „für die parlamentarische Arbeit sehr wichtig“ sei.
Im anschließenden von WDR-Moderator Uwe Schulz geführten Podiumsgespräch mit Kirsten Schwenke und deren Vorgänger im Amt als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW, Hartmut Krabs-Höher (Vorstandsvorsitzender DRK-Landesverband Nordrhein), benannten Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, und Lorenz Bahr, Staatssekretär im Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration, sowohl gemeinsame Ziele von Politik und Wohlfahrt als auch Herausforderungen beim Sichern einer verlässlichen sozialen Infrastruktur.
Sozialminister Laumann machte deutlich, wie wichtig die Trägervielfalt sei, die sich in den Verbänden der Freien Wohlfahrt in NRW zeige: „Diese Vielfalt macht unsere soziale Infrastruktur bunt.“ Gleichzeitig betonte er die Rolle der Freien Wohlfahrtspflege als unverzichtbare Akteurin im Sozialstaat. „Dennoch“, so Laumann weiter, „können wir als Staat nicht alles bezahlen, was die Wohlfahrt gerne hätte.“
Mit Blick auf seine vergangene zweijährige Amtszeit würdigte der scheidende Vorsitzende Hartmut Krabs-Höhler die gute Zusammenarbeit von Politik und Wohlfahrt: „Was uns verbindet, ist viel mehr als das, was uns trennt.“ Dennoch sei die Freie Wohlfahrt nicht beliebig belastbar. „Die notwendigen Mittel stehen nicht ausreichend zur Verfügung“, so Krabs-Höhler. „Aber die Mitarbeitenden in unseren Einrichtungen und Diensten kompensieren viel, weil sie das, was sie tun, intrinsisch motiviert tun.“ Die Freie Wohlfahrt kämpfe daher weiter für gute Rahmenbedingungen, damit das System „nicht weiter überdehnt“ werde.
Staatssekretär Lorenz Bahr, selbst mehr als 15 Jahre in der Freien Wohlfahrtspflege tätig, zeigte Verständnis für die Forderungen der Freien Wohlfahrt: „Aus Ihrer Rolle heraus kritisieren Sie uns, und Sie greifen uns zuweilen auch an. Aber wir sind immer im Dialog und suchen gemeinsame Lösungen.“ Sei es bei der Reform des Kinderbildungsgesetzes KiBiz – „keine leichten Gespräche über ein komplexes Gesetz“, wie Bahr deutlich machte – oder in Sachen Antidiskriminierungsarbeit, wo Politik und Wohlfahrt „nahezu geräuschlos“ zu guten Ergebnissen gekommen seien. Bahrs Fazit: „Wir haben ein gemeinsames Interesse, und gemeinsam bekommen wir viele Aufgaben hin, die unsere Demokratie stärken.“
Die Demokratie stärken, das wird auch ein Schwerpunkt für Kirsten Schwenke in ihrer neuen Position als Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege in NRW sein: „Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam erreichen, dass die Freie Wohlfahrt selbstverständlich als Teil der Demokratie und als Teil des Rechtsstaates wahrgenommen wird.“ Mit Sorge beobachte sie, dass die Freie Wohlfahrt immer häufiger unter Druck gerate und deren Daseinsberechtigung angezweifelt werde. Sozialminister Laumann bestätigte diese Wahrnehmung: „Wir haben eine Debatte über die Legitimation des Sozialstaats. Aber ohne Solidarität lässt sich ein Staat nicht organisieren.“ Entsprechend bekräftigte Kirsten Schwenke: „Wir Wohlfahrtsverbände stehen für eine offene und solidarische Gesellschaft, in der die Würde des Menschen an erster Stelle steht.“ Ziel müsse es sein, die demokratischen Grundwerte aktiv zu verteidigen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
In ihrer neuen Position als Vorsitzende der LAG FW NRW setzt Kirsten Schwenke weiter auf eine gute und vertrauliche Zusammenarbeit zwischen Politik, Wohlfahrt und Sozialverbänden. Aber auch auf ein konstruktives Miteinander der Spitzenverbände innerhalb der LAG, die mit 750.000 Beschäftigten allein in NRW die größte Arbeitgeberin nach dem öffentlichen Dienst ist. Und die mit ihren Angeboten und Dienstleistungen jährlich rund sechs Millionen Menschen erreicht. Schwenke: „Eine Chance sehe ich in der Heterogenität unserer Wohlfahrtsverbände. Trotz aller Unterschiedlichkeiten finden wir viele Gemeinsamkeiten und kommen zu einem gemeinsamen Ziel.“
Im Anschluss an das Podiumsgespräch übergab Hartmut Krabs-Höhler „mit Freude und Wehmut“ den – nicht nur symbolischen – Staffelstab an seine Nachfolgerin Kirsten Schwenke. „Langweilig waren die zwei Jahre auf jeden Fall nicht“, lautet das Fazit des scheidenden Vorsitzenden. Seine Nachfolgerin Kirsten Schwenke nimmt ihre neue Rolle gerne an: „Ich gehe davon aus, dass die nächsten zwei Jahre für mich sehr intensiv werden und freue mich darauf, viele Prozesse für die Freie Wohlfahrt anstoßen, begleiten und gestalten zu dürfen.“
Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW in drei Sätzen
750.000 Mitarbeitende der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen setzen sich täglich dafür ein, Menschen in allen Lebenslagen zu unterstützen. Mit ihren Angeboten und Dienstleistungen erreichen die Träger der Freien Wohlfahrtspflege in NRW jährlich rund 6 Millionen Menschen. Neben den konkreten Aufgaben der Wohlfahrts- und Sozialarbeit übernehmen die Verbände eine wichtige Mittlerrolle zwischen Gesellschaft, Politik und Verwaltung: Sie benennen soziale Schieflagen und setzen auf Dialog, um gemeinsame Lösungen für alle beteiligten Akteurinnen und Akteure zu erreichen.
Fotos: Andreas Brockmann